Während Zeitgenossen wie Rembrandt ihre Modelle oft in wechselnde, dramatische Gewänder hüllten, kehrte Vermeer immer wieder zu diesem einen Mantel zurück. Er drapierte ihn über die Schultern einer schreibenden Frau, eines Lautenspielers und einer Dame, die ihre Perlen bewundert. Warum war der Maler so besessen von diesem bestimmten Kleidungsstück?
Die „Uniform” des Meisters aus Delft
Dank einer Nachlassbeschreibung, die nach Vermeers Tod im Jahr 1675 erstellt wurde, wissen wir, dass dieser Mantel keine Erfindung war. Unter den Besitztümern seiner Frau Catharina Bolnes war tatsächlich ein „alter gelber Satinkleid mit weißer Pelzborte” (gelber Satinkleid mit weißem Pelzrand) aufgeführt. Der Mantel war also ein greifbarer Teil ihres Alltags.
Aber warum entschied sich Vermeer immer wieder dafür, gerade dieses Kleidungsstück zu verewigen? Hier sind drei mögliche Gründe:
1. Eine Meisterklasse in Lichtführung
Vermeer war als „Meister des Lichts” bekannt. Gelber Satin ist ein technisch anspruchsvoller Stoff; er glänzt, reflektiert und fängt das kühle Licht aus den Fenstern von Delft auf einzigartige Weise ein. Durch den Kontrast zwischen der glatten Textur des Satins und der weichen, matten Struktur des weißen Pelzes konnte Vermeer seine Virtuosität unter Beweis stellen. Er malte keinen Mantel, sondern das Verhalten des Lichts auf verschiedenen Materialien.
2. Status und häusliches Glück
Im 17. Jahrhundert war Gelb eine gewagte und kostbare Farbe. Das Tragen von Satin und Pelz war der wohlhabenden Bürgerschaft vorbehalten. Indem er seine Modelle in diesen Mantel hüllte, verlieh Vermeer den Frauen in seinen Gemälden sofort eine Aura von Reichtum und Eleganz.
3. Die Kraft der Wiederholung
Vermeer arbeitete sehr langsam; oft schuf er nur zwei oder drei Gemälde pro Jahr. Indem er immer wieder dieselben Requisiten verwendete – wie den gelben Mantel, den Marmorboden oder die Löwenkopfstühle – schuf er ein wiedererkennbares Universum. Das verleiht seinem Werk eine ruhige Kontinuität. Als Betrachter hat man das Gefühl, immer wieder denselben Raum zu betreten, aber jedes Mal einen anderen intimen Moment einzufangen.
Der gelbe Satinkleid mit weißem Pelzbesatz ist in folgenden Werken zu sehen:
- Die Lautenspielerin (1662-1664)
- Frau mit Perlenkette (1662-1664)
- Schreibende Frau in Gelb (1664-1667)]
- Dame und Dienstmädchen (1664-1667)
- Der Liebesbrief (1669-1670)
- Die Gitarrenspielerin (1670-1672)
Der gelbe Mantel ist mehr als nur Mode; er ist der rote Faden im Werk eines Mannes, der die Perfektion im Alltäglichen suchte. Er erinnert uns daran, dass ein großer Künstler keinen Palast voller Attribute braucht, um Magie zu erschaffen – manchmal reichen ein einziger Mantel und das richtige Licht für die Ewigkeit.
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