Das verlorene Atelier von Vermeer
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Das verlorene Atelier von Vermeer

Wer heute durch die Straßen von Delft schlendert, wird vergeblich nach einem Schild mit der Aufschrift „Atelier von Vermeer“ an einer alten Fassade suchen. Der Ort, an dem die stillsten Meisterwerke des 17. Jahrhunderts entstanden, ist physisch verschwunden, aber historisch gesehen lebendig wie eh und je. Um mehr über Vermeers Atelier zu erfahren, müssen wir uns dem Oude Langendijk zuwenden, im sogenannten „Papenhoek“.

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Der Ort: ein katholischer Zufluchtsort

Obwohl Vermeer – der von Haus aus protestantisch war – in der Herberge seines Vaters an der Voldersgracht und später am Markt aufwuchs, zog er um 1660 in das geräumige Wohnhaus seiner wohlhabenden Schwiegermutter Maria Thins. Dieses Gebäude stand an der Ecke Oude Langendijk und Molenpoort (der heutigen Jozefstraat) im sogenannten „Papenhoek“ – der katholischen Enklave von Delft. Dies war ein besonderer Ort: Direkt neben dem Haus befand sich eine Geheimkirche der Jesuiten. Heute steht an dieser Stelle die katholische Maria-van-Jessekerk.

woonhuis-maria-thins-digitale-afbeelding.jpgDigitale Skizze des Wohnhauses von Maria Thins (Seitenansicht)

Was wir über sein Atelier wissen

Dank einer detaillierten Inventarliste, die nach seinem Tod im Jahr 1675 erstellt wurde, gibt es Dinge, die wir über sein Atelier genau wissen. Es befand sich im Vorderzimmer im Obergeschoss. In diesem Raum standen zwei Staffeleien, drei Paletten und ein hölzerner Paravent. Das Nordlicht fiel hier durch die Fenster herein – ein entscheidendes Detail, denn Nordlicht verändert im Laufe des Tages kaum seine Farbe oder Intensität, was Vermeer die Möglichkeit gab, stundenlang an derselben Farbnuance zu arbeiten.

Was wissen wir nicht über sein Atelier?

Was wir nicht wissen, ist, wie Vermeer diese heitere Ruhe bewahrte. Das Haus am Oude Langendijk wurde von einer großen Familie bewohnt, die schließlich elf Kinder zählte. Wie er das Chaos eines Haushalts aus dem 17. Jahrhundert vor der Tür seines Ateliers fernhielt, bleibt ein Rätsel.

Auch über seine Technik tappen wir teilweise im Dunkeln. Es gibt Hinweise darauf, dass er eine Camera obscura benutzte, um den Lichteinfall zu studieren, doch auf der Inventarliste der Oude Langendijk taucht dieses Gerät nicht auf. Möglicherweise kam er über die Jesuiten der benachbarten Jesuitenkirche mit der Camera obscura in Berührung und hat sich dort eine ausgeliehen. Oder war sein Auge einfach schärfer als jedes Gerät?

Die Entscheidung für einen einzigen Ort

Für uns ist es fast unvorstellbar: ein Künstler, der sein gesamtes Erwachsenenleben in fast denselben Räumen verbringt. Doch genau darin lag die Stärke Vermeers. Während Zeitgenossen wie Frans Hals oder Rembrandt mit Bewegung und Dramatik experimentierten oder Maler wie Gerard Ter Borch sich für das Reisen entschieden, wählte Vermeer die Vertiefung.

Indem er an einem Ort blieb, wurde er zu einem Meister der Lichtsbeobachtung. Er kannte die Lichtreflexion auf den weiß getünchten Wänden der Oude Langendijk in- und auswendig. Der Raum war sein Universum; gerade in der Begrenztheit des Raumes fand er eine beispiellose Tiefe.

Die Fassade an der Oude Langendijk

Im 17. Jahrhundert war das Grundstück von Maria Thins ein Eckhaus. Der Haupteingang und die breite Fassade lagen an der Oude Langendijk. Das Atelier befand sich auf dieser Straßenseite im ersten Stock, sodass Vermeer vom freien Nordlicht profitierte, das nicht durch Gebäude direkt auf der gegenüberliegenden Seite behindert wurde. Das Haus erstreckte sich weit nach hinten entlang des damaligen Molenpoort (der heutigen Jozefstraat). Es war für die damalige Zeit ein stattliches Gebäude, aber es nahm bei weitem nicht die gesamte Länge der heutigen Kirche bis zum Burgwal ein.

  • Damals: Hinter dem Haus von Maria Thins lagen andere Grundstücke und kleinere Wohnhäuser, die sich bis zum Burgwal erstreckten.
  • Heute: Die Maria-van-Jessekirche ist eine riesige neugotische Kreuzkirche. Um diese errichten zu können, wurden im 19. Jahrhundert mehrere Gebäude abgerissen. Die Kirche erstreckt sich nun vollständig vom Burgwal (der Vorderseite) bis zum Oude Langendijk (der Rückseite/Chorseite).

Ein verschwundenes Erbe

Heute steht an der Stelle des Hauses von Maria Thins die neugotische Maria-van-Jessekirche (erbaut zwischen 1875 und 1882). Das ursprüngliche Atelier wurde abgerissen, aber wenn man an der Rückseite der Kirche, am Oude Langendijk, steht, befindet man sich genau an der Stelle, an der Das Milchmädchen und Das Mädchen mit dem Perlenohrring entstanden sind. An der Rückseite der Kirche findet man eine Informationstafel, die über die historische Bedeutung dieses Ortes berichtet.

Das Atelier am Oude Langendijk erinnert uns daran, dass man nicht weit reisen muss, um das Universum zu entdecken. Manchmal reicht ein einziger Raum mit gutem Nordlicht aus, um die Ewigkeit einzufangen. Im Vermeer Centrum Delft findest du digitale Reproduktionen aller Werke von Vermeer. Auf 19 der 37 Werke ist Vermeers Atelier mit den Buntglasfenstern zu sehen.

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