Auf den Spuren von Johannes Vermeer: Schlendern Sie durch das Delft der „Sphinx“
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Auf den Spuren von Johannes Vermeer: Schlendern Sie durch das Delft der „Sphinx“

Delft ist eine lebendige Leinwand. Wer durch die historische Innenstadt schlendert, versteht sofort, warum der Meister des 17. Jahrhunderts, Johannes Vermeer, sein ganzes Leben hier verbrachte. Die Stille, das einzigartige „holländische Licht“, das über die Grachten auf die Fassaden fällt, und die intime Atmosphäre sind auch nach fast vier Jahrhunderten noch spürbar.

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Spazieren Sie durch die lebendige Leinwand von Vermeer

Obwohl sein eigenes Atelier den Zahn der Zeit nicht überstanden hat, lassen sich die Orte, an denen er geprägt wurde, lebte und seine Inspiration fand, noch immer ausfindig machen. In diesem Blogbeitrag nehmen wir Sie mit zu den Orten, die die Geschichte seiner Meisterschaft und seines Vermächtnisses erzählen.

1. Voldersgracht 25: das Geburtshaus

Unsere Reise beginnt an der Voldersgracht. An der Hausnummer 25 stand früher das Haus „De Vliegende Vos“. Hier wurde Johannes Vermeer 1632 geboren. Sein Vater, Reynier Jansz, betrieb hier eine Herberge und war als Kunsthändler und Weber tätig. Es war der Ort, an dem Johannes seine allerersten Lebensjahre verbrachte und an dem wahrscheinlich der kreative Funke übersprang.

2. Markt 54-56: Herberg Mechelen

Vermeer war noch ein kleiner Junge, als die Familie an den Markt zog. Sein Vater kaufte das große Herberg Mechelen, das an der Ecke von Markt und Oude Manhuissteeg lag. Hier wuchs Vermeer auf. Mechelen war ein pulsierender Ort voller Trubel, Reisender und Kunsthandel. In dieser Herberge kam Johannes mit den Gemälden in Kontakt, mit denen sein Vater handelte, was seine Entscheidung, Künstler zu werden, stark beeinflusste. Im Jahr 1885 wurde das Gebäude an dieser Stelle abgerissen, um die Oude Manhuissteeg zu verbreitern. An der Fassade von Markt 52 hängt dazu eine Gedenktafel, auf der übrigens fälschlicherweise steht, dass Johannes Vermeer hier geboren wurde.

3. Markt 34: Het Gulden ABC

Neben dem Rathaus, am Markt, finden wir einen der wichtigsten Orte der Vermeer-Geschichte: „Het Gulden ABC“. Dieses Gebäude beherbergte im 17. Jahrhundert eine Buchbinderei und Druckerei und wurde von Jacob Dissius geführt.

Die Geschichte hinter diesem Ort ist einzigartig. Jacob Dissius heiratete 1680 Magdalena van Ruijven. Sie war die Tochter von Pieter van Ruijven und Maria de Knuijt: den reichen Mäzenen (wohlhabenden Förderern), die fast die gesamte Karriere Vermeers finanziell unterstützten und seine wichtigsten Auftraggeber waren. Als Magdalenas Eltern starben, erbte sie deren riesige Kunstsammlung. Nach ihrem frühen Tod im Jahr 1682 ging die Sammlung vollständig in den Besitz ihres Mannes, Jacob Dissius, über.

Das bedeutet, dass in den Räumen des „Het Gulden ABC“ am Markt nicht weniger als 21 Originalgemälde von Vermeer hingen. Einem alten Inventar zufolge hingen elf im Vorzimmer, vier im Hinterzimmer, eines in der Küche und zwei im Keller.

Mehr als die Hälfte von Vermeers Gesamtwerk hing also in diesem einen Gebäude am Markt! Nach dem Tod von Dissius wurden diese 21 Meisterwerke 1696 bei einer legendären Auktion in Amsterdam endgültig in alle Welt verstreut.

4. Vlamingstraat 40-42: Vermeer’s „Die kleine Straße“

Lange Zeit war es eines der größten Rätsel der Kunstwelt: Wo malte Vermeer sein berühmtes Gemälde „Die kleine Straße“? Nach eingehenden Archivrecherchen wurde der Ort endgültig in der Vlamingstraat, auf Höhe der heutigen Hausnummern 40 und 42, bestimmt.

Obwohl die Häuser aus dem 17. Jahrhundert im Laufe der Jahrhunderte ersetzt wurden, vermittelt der schmale Gang (der „Penspoort“), der noch immer dazwischen verläuft, einen wunderbaren Eindruck von der räumlichen Anordnung, die Vermeer damals festhielt. Es ist ein Ort, an dem die alltägliche Schönheit des historischen Delft greifbar wird.

5. Oude Langendijk: das Atelier

Nach seiner Heirat mit Catharina Bolnes zog Vermeer in den „Papenhoek“ – die katholische Enklave von Delft. Sie zogen zu seiner wohlhabenden Schwiegermutter, Maria Thins, in ein großes Eckhaus am Oude Langendijk (an der Ecke zur Jozefstraat).

Dies ist der Ort, an dem seine Meisterwerke tatsächlich entstanden sind. Dank einer alten Inventarliste wissen wir, dass sich sein Atelier im vorderen Zimmer im ersten Stock befand. Die Fenster blickten auf den Oude Langendijk, wodurch der Raum perfekt von dem beständigen, kühlen Nordlicht beleuchtet wurde, das wir aus „Das Milchmädchen“ und „Das Mädchen mit der Perle“ kennen.

Das Haus wurde im 19. Jahrhundert abgerissen, um Platz für die heutige Maria-van-Jessekirche zu schaffen. Die riesige Kirche wurde im Vergleich zu den alten Häusern „umgekehrt“ gebaut: Der Haupteingang liegt am Burgwal, aber die Rückseite (der Chor) steht genau auf den Fundamenten des Ateliers an der Oude Langendijk

6. Die Hooikade: Blick auf Delft

Für seinen ikonischsten Außenansicht müssen wir uns zur Südseite der Stadt begeben, zur Hooikade. Hier stand Vermeer, als er sein weltberühmtes „Blick auf Delft“ skizzierte. Obwohl die großen Stadttore des Gemäldes inzwischen abgerissen wurden, ist die Kontur des Kolk noch fast dieselbe. Wenn man hier steht, sieht man genau, wie die Sonnenflecken über das Wasser und die Dächer tanzen – ein fotografischer Effekt, den Vermeer wie kein anderer beherrschte.

7. Oude Kerk: die letzte Ruhestätte

Wir beenden den Spaziergang an der Oude Kerk, der markanten Kirche mit dem schiefen Turm. Hier liegt der Meister des Lichts begraben. Obwohl sein ursprünglicher Grabstein im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist, wurde im nördlichen Seitenschiff des Chors ein schlichter Gedenkstein aufgestellt. Es ist ein ruhiger Ort, um einem Mann zu gedenken, der Delft nie verließ, die Stadt aber weltberühmt machte.

Während seine Zeitgenossen auf der Suche nach Reichtum und Abenteuer um die Welt nach Italien oder England reisten, blieb Vermeer innerhalb der vertrauten Mauern seiner eigenen Stadt. Von seinem Geburtshaus an der Voldersgracht über sein Atelier am Oude Langendijk bis hin zur Schatzkammer im „Het Gulden ABC“ am Markt: Sein gesamtes Universum umfasste nur wenige hundert Meter. Doch gerade durch diese extreme Begrenzung konnte er in die Tiefe vordringen. Er suchte die Ewigkeit im alltäglichen Licht von Delft und fand sie auch.

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